Ausstellung „Schwarzes Licht“ des Künstlers Scopin im Bayerischen Nationalmuseum
Kunst

Ausstellung „Schwarzes Licht“ des Künstlers Scopin im Bayerischen Nationalmuseum

1. November 2022
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Albert Scopin, Dr. Frank Matthias Kammel, Generaldirektor Bay. Nationalmuseum und Manfred Möller, Fotocredit: Hannes Magerstaedt

„Schwarzes Licht“ und doch viel Funkeln im Bayerischen Nationalmuseum – Ausstellung vom 29. Oktober 2022 bis 15. Januar 2023 

Eine ungewöhnliche Ausstellung mit einem ungewöhnlichen Künstler:

Der Künstler Albert Scopin alias Albert Schöpflin, der mit seinem Bruder Hans Schöpflin die Schöpflin Stiftung:  Für die Zukunft der Demokratie (schoepflin-stiftung.de) gründete, zeigt seine außergewöhnlichen Asphalt Werke jetzt im Bayerischen Nationalmuseum.

Am 29. Oktober eröffnete die Ausstellung „Schwarzes Licht“ des Künstlers Albert Scopin im Bayerischen Nationalmuseum. Vom schwarzen Licht angezogen kamen viele kunstinteressierte VIP-Gäste und sorgten für Funkeln bei dieser 1. Deutschen Museumsausstellung mit reiner Asphaltkunst. Unter den Gästen waren neben Unternehmern wie Wilhelm Ernst Prinz von Sachsen-Weimar mit Frau Arnica und Andreas und Uli Langenscheidt auch der Kunstsammler Wolfgang Anselmino, die Modedesignerin Susanne Wiebe, die Schauspieler Timothy Peach und Detlef Bothe, die Moderatorinnen Alexandra Polzin und Uschi Dämmrich von Luttitz, die Sängerin Anna Maria Kaufmann und die 1. Primaballerina des Bayerischen Staats-Ballett Maria Baranova.

Laudator Friedhelm Häring, Dr. Frank Matthias Kammel, Generaldirektor Bay. Nationalmuseum und Manfred Möller, Kurator der Ausstellung, Fotocredit: Hannes Magerstaedt

Auch die Künstlerinnen Alexandra Kordas und Diana Sandmann ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, den bei der Biennale Arte in Venedig dieses Jahr gleich mit zwei Ausstellungen gefeierten Künstler Scopin in München zu begrüßen. Dr. Frank Kammel, der Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums, begrüßte und betonte, dass er die Intervention dieser außergewöhnlichen Asphalt-Ausstellung von Scopin in seinem Haus begrüßt, denn es regt den Diskurs über die Kunst an sich an. Laudator und Kunstexperte Dr. Friedhelm Häring beleuchte das Leben von Scopin und die von Manfred Möller (Edition Minerva) kuratierte Ausstellung, die Kunst aus einem Material zeigt, das zwar in unserem Alltag überall präsent, aber im Bereich der Kunst eher ungewöhnlich ist: dem Asphalt.

Albert Scopin Bilder, Fotocredit: Hannes Magerstaedt

Die intensive künstlerische Auseinandersetzung von Scopin mit diesem Werkstoff ist einmalig. Scopin, der eigentlich Albert Schöpflin heißt und aus der Schöpflin Unternehmerdynastie stammt, hat eine enge Verbindung zu München, denn er studierte in München Fotografie. 1969 zog es ihn nach New York City, wo er im Umfeld von Andy Warhol, Patti Smith und Robert Mapplethorne im legendären Chelsea Hotel wohnte, eine prägende Zeit in seinem Leben. Die Idee, Asphalt als Farbe für seine meist großformatigen Werke zu verwenden, ist das Ergebnis eines langen Reflexionsprozesses. In dieser Zeit widmete sich Scopin vor allem dem Medium Film. Die schlechten Straßen Manhattans mit ihren Schlaglöchern und unzähligen Ausbesserungen in übereinanderliegenden Schichten unterschiedlicher Farbe und Konsistenz erschienen ihm seinerzeit wie Strukturen unserer Zivilisation und haben sich als Bild in sein Gedächtnis eingebrannt. Doch erst fast 40 Jahre später fand er die nötige Inspiration beim Anblick einer großformatigen Kohlearbeit des koreanischen Künstlers Lee Bae. Seit diesem Moment bestimmt die Beschäftigung mit dem Material Asphalt und der Wille, dem Betrachter die Schönheit und Energie dieses organischen Werkstoffes nahezubringen, sein gesamtes Wirken als Künstler.

Über Frankfurt ging es 1985 wieder zurück nach München und an den Starnberger See. In dieser Zeit hängte er seine Kamera an den Nagel. Der Künstler beschäftigt sich seit 2012 und so auch in der Ausstellung „Schwarzes Licht“ im Bayerischen Nationalmuseum mit dem faszinierenden Werkstoff Asphalt und schafft aus und mit ihm zwei- und dreidimensionale Werke von starker Präsenz und Ausdruckskraft. Scopins Werke haben eine ruhige, geradezu meditative Ausstrahlung und sind dennoch energiegeladen. So archaisch wie das Material sind oft die Formen, in denen Scopin die heiße Masse auf dem hölzernen Grund verteilt. Sie sind stark, wirkungsmächtig, monolithisch, andere erinnern durch ihren mitunter durchaus schwungvollen Auftrag an Werke des Informel oder auch an asiatische Kalligrafie.

Freifrau Uschi Dämmrich von Luttitz und Annette Zierer, Fotocredit: Hannes Magerstaedt

Mit geübten Handgriffen legt Scopin Schicht über Schicht, lässt sich von der zähen, geschmolzenen Masse leiten und verleiht seinen Werken damit eine reliefartige Gestalt. Mitunter fügt er Holz, Glasstaub, Sand oder Dispersionsfarbe hinzu. Es entsteht ein Dialog zwischen dem Material und dem Künstler. Anders als in seiner alltäglichen Nutzung darf der Asphalt bei Scopin zu seiner puren, materiellen Präsenz finden. Da das Material schnell erkaltet und aushärtet, bleibt für den Malprozess wenig Zeit. Je nach Art des Auftrags und den verwendeten Werkzeugen entstehen Oberflächen von unterschiedlicher Struktur, die das Licht auf ganz verschiedene Weise brechen und reflektieren und dem Betrachter somit eine Vielzahl an Seherlebnissen bieten. Die Farbe Schwarz wird in ihrem ganzen Spektrum aufgezeigt. Matte Flächen liegen neben seidig schimmernden oder auch hochglänzenden Partien. Bewegt man sich vor Scopins Arbeiten, scheinen sie sich unentwegt zu verändern und changieren zwischen tiefem Schwarz und dunklem Anthrazit über unterschiedlichste Grautöne bis hin zu Weiß. In manchen Werken sorgen starkfarbige, vor allem ultramarinblaue Pigmente für kontrastierende Ebenen.

Scopins Arbeiten rücken ein Material in den Fokus, das untrennbar mit unserer modernen Industriegesellschaft verbunden ist. Asphalt enthält konserviertes pflanzliches und tierisches Leben und ist damit ein Speicher von Jahrmillionen Erdgeschichte. Er ist die Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Fluch und Segen zugleich. Durch die Hand des Künstlers wird er zu einem ästhetischen Erlebnis.

Anna Maria Kaufmann, Renate Gräfin von Rehbinder und Manfred Möller, Fotocredit: Hannes Magerstaedt

Scopins Handwerkszeug sind Schmelzöfen, Gasbrenner, Besen und anderes Gerät, mit dem er die auf über 200 Grad erhitzte, zähflüssige Masse auf Holzplatten aufbringt und verteilt – ein Prozess, der langjährige Erfahrung und höchste Könnerschaft verlangt. Wer nicht glauben mag, dass sich aus diesem, aus dem Straßenbau bekanntem Material, wunderschöne, artifizielle Strukturen herstellen lassen, dem sei ein Besuch der Ausstellung ans Herz gelegt. Diese läuft noch bis zum 15. Januar 2023. Unter den weiteren Gästen Mike Kraus, Fotograf und Musiker mit Frau Constanze, Renate Gräfin von Rehbinder mit Ehemann Fidelius, Heidi Kranz, Regisseurin, Jens Fabian Herdieckerhoff, Unternehmensberater und viele mehr.

Eine Ausstellung der Edition Minerva kuratiert von Manfred Möller.

Zur Ausstellung erscheint in der Edition Minerva, die auf hochwertige Kunstpublikationen spezialisiert ist, ein Katalog zur Ausstellung.

Dr. Frank Matthias Kammel, Generaldirektor Bay. Nationalmuseum und Albert Scopin, Fotocredit: Hannes Magerstaedt

Zum Künstler:

Albert Scopin, mit bürgerlichem Namen Albert Schöpflin, ist 1943 in Freiburg geboren.

Von 1967 bis 1969 studierte er an der Staatslehranstalt für Fotografie in München und arbeitete bereits vorher als Fotoassistent in verschiedenen Studios. 1969 zog er nach New York und assistierte den Fotografen Mikel Avedon und Bill King. Während dieser Zeit lernte er Andy Warhol kennen und kam in Kontakt mit dessen sozialem Umfeld. Von 1969 bis 1971 wohnte und arbeitete Scopin im legendären Chelsea Hotel. Hier drehte er 1970 den Dokumentarfilm „Chelsea Hotel“, der die damaligen Bewohner des Hotels porträtiert, u. a. Patti Smith und Robert Mapplethorpe.

Anfang der 1970er-Jahre gründete Scopin eine eigene Filmproduktionsfirma und drehte Dokumentarfilme im und über den New Yorker Kulturuntergrund. 1974 zog er zurück nach Deutschland, richtete sich ein Studio in Frankfurt am Main ein und widmete sich zunehmend der Fotografie. Zu Beginn der 1980er-Jahre begann er zu zeichnen und zu malen, primär in Grautönen der Schwarzweiß-Fotografie. Im Jahr 1985 folgte ein Umzug nach München. Von 1983 bis 1988 lehrte Albert Scopin als Dozent an der Fachhochschule für Gestaltung in Darmstadt, zog sich aber 1990 in sein Atelier in Seeshaupt am Starnberger See zurück, um ausschließlich künstlerisch zu arbeiten. Von der Fotografie wandte er sich gänzlich ab. Mal stand die Zeichnung im Vordergrund, mal war die Malerei im Zentrum seines Interesses. Seit 2012 arbeitet Scopin fast ausschließlich mit Asphalt.

Der Künstler lebt und arbeitet in Lörrach und Riehen bei Basel. Seine Werke befinden sich in bedeutenden Museen wie dem Museum Ludwig in Köln. Großangelegte Werkschauen fanden 2016 in der Barlach Halle K in Hamburg sowie in der St.-Elisabeth-Kirche in Berlin statt. Zuletzt waren seine Arbeiten 2022 im Rahmen der 59. Biennale Arte in Venedig zu sehen.

Prinz Wilhelm Ernst von Sachsen Weimar und Frau Arnica, Uschi Dämmrich von Luttitz und Fürst Guidotto Henkel von Donnersmarck, Fotocredit: Hannes Magerstaedt

Zum Bayerischen Nationalmuseum

Das Bayerische Nationalmuseum zählt zu den großen europäischen Museen, die sowohl der Bildenden Kunst als auch der Kulturgeschichte gewidmet sind. Daher bezeichnet sich das Haus nicht nur als „Schatzhaus an der Eisbachwelle“, sondern auch als das deutsche V&A. Den Kern der Sammlungen bildet der königliche Kunstbesitz der Wittelsbacher. Das Bayerische Nationalmuseum wurde 1855 von König Maximilian II. von Bayern mit dem Ziel gegründet „die interessantesten und vaterländischen Denkmäler und sonstigen Überreste vergangener Zeiten der Vergessenheit zu entreißen“. Nach fünf Jahrzehnten in der Maximilianstraße erfolgte ein vergrößerter Neubau in der Prinzregentenstraße, der 1900 von Prinzregent Luitpold eröffnet wurde. Der Neubau, der zu den bedeutendsten und originellsten Museumsbauten seiner Zeit zählt, wurde von Gabriel von Seidl konzipiert, um den unterschiedlichsten Kunstwerken und Stilen aus mehreren Jahrhunderten eine Plattform zu geben. Auf rund 13.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind hier alle prägenden europäischen Stilepochen vertreten. Seit dem Amtsantritt von Dr. Frank Matthias Kammel als Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums im Sommer 2018 befindet sich das Haus in einem sichtbaren Erneuerungsprozess. Mit der Ausstellung „Treue Freunde. Hunde und Menschen“ betrat man 2019 gewissermaßen Neuland, indem das ehrwürdige Haus kunst- und kulturgeschichtlich wertvolle Stücke aus der Sammlung im Zusammenspiel mit Elementen der Popkultur zeigte. Seit kurzer Zeit öffnet sich das Bayerische Nationalmuseum nun auch der zeitgenössischen Kunst.

Ausstellung:

Bayerisches Nationalmuseum
Prinzregentenstraße 3 – 80538 München
www.bayerisches-nationalmuseum.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag sowie an geöffneten Feiertagen 10 – 17 Uhr Donnerstag 10 – 20 Uhr (feiertags 10 – 17 Uhr) Montag geschlossen
Eintrittspreis: Die Ausstellung ist im regulären Eintrittspreis inbegriffen und wird im Hauptgeschoss im Mars-Venus-Saal gezeigt.

Copright Fotos: Hannes Magerstädt und Arno Dietscher

Michaela Etzel https://www.jetset-media.de

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