Ausstellungen von Picasso & Roberto Matta in Zürich
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Ausstellungen von Picasso & Roberto Matta in Zürich

7. Juni 2022
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Roberto Matta, La nature unie

Zum Zürich Art Weekend (10. -12. Juni 2022) eröffnet die Galerie Gmurzynska in Zürich am 9. Juni 2022 gleich zwei Ausstellungen: La Main de Picasso & Roberto Matta: Les Témoins de l’Univers

La Main de Picasso:

Eröffnung 9. Juni 2022
10. Juni – 31. August 2022
Galerie Gmurzynska | Paradeplatz 2 | 8001 Zürich

Die Galerie Gmurzynska freut sich, in ihren Ausstellungsräumen in Zürich ab 10. Juni 2022 eine einzigartige Skulptur von Pablo Picasso (1881-1973) zu zeigen, die die linke Hand des legendären Künstlers darstellt. Die Ausstellung basiert auf einem akademischen Essay von Dr. Jérôme Neutres mit dem Titel God’s Left Hand: Analysis of the plaster sculpture of Pablo Picasso’s palm. Die Gipsskulptur von Pablo Picassos linker Hand entstand 1937, im selben Jahr wie Guernica, und ist das einzige bekannte Exemplar einer modellierten Skulptur von Picassos linker Handfläche – für den Rechtshänder konnte nur sie als lebendes Modell dienen – im gesamten Œuvre, während die Hand des Künstlers ein wiederkehrendes Motiv seiner Gemälde und Skulpturen ist. Für Picasso stellt die Hand das akademische Sujet dar, das die Begabung des Künstlers offenbart. Sie wird zum Symbol der schöpferischen Kraft und ist zugleich der Körperteil, der das Schicksal und den Charakter des Seins veranschaulicht. Vor allem aber ist die Hand zugleich Motiv und Gegenstand des Abdrucks – ein Thema, das Picasso faszinierte, da er sich zur Art brut und zur Primitiven Kunst hingezogen fühlte. Es ist daher kein Zufall, dass Daniel Kahnweiler 1949 das Foto einer Gipsskulptur von Picassos Hand als Titelbild für den ersten Catalogue Raisonné der Picasso-Skulpturen auswählte.

Picasso begann 1902 in Barcelona, sich der Bildhauerei zu widmen. Er entwickelte sich zu einem produktiven Bildhauer und Maler. Die Arbeit, die hier gezeigt wird, ist ein einzelner Gipsabdruck von Picassos linker Handfläche, die einer Serie von Gipsstudien entstammt, die dem Künstler sehr wichtig waren; er nannte sie liebevoll „meine Plastiken“. Von 1930 bis 1935 in seinem Bildhaueratelier im Château de Boisgeloup und dann bis 1944 in Paris widmete sich Picasso in erster Linie seinen Gipsarbeiten und experimentierte mit dem Modellieren, der Assemblage und Abdrücken. Wie auch bei seinen Gemälden war er von primitiven Skulpturen beeinflusst und trat in den Dialog mit der Materie, indem er seine Hände mit Lehm und insbesondere Gips konfrontierte. Picasso, der die Bronzegüsse seiner Arbeiten als zu unpersönlich empfand, bevorzugte oft die finale Form des Rohmaterials wie etwa Gips. In einem Gespräch über seine Gipsskulpturen sagte Picasso zu seinem Freund und Exegeten Pierre Daix: „Sie waren viel schöner aus Gips … Ich zog anfangs nicht einmal in Betracht, sie in Bronze zu giessen …“

Dieses einzigartige historische Werk ist im Catalogue Raisonné des sculptures de Picasso (N°220 C) sowie den folgenden Katalogen aufgeführt: Une Collection Picasso, Œuvres de 1937 à 1946, Huiles, Gouaches, Dessins, Collages et Découpages aus der Marie-Thérèse Walter Collection, Galerie Krugier, Genf, Dezember 1973 (einführende Illustration), und Picasso. The Sculpture, Galleria Borghese, Rom, vom 24. Oktober 2018 bis 3. Februar 2019 (S. 186–187). Dieses sagenhafte Werk befindet sich im Besitz eines berühmten Sammlers, der es vom Picasso Estate erworben hat, und wurde über zwanzig Jahre lang nicht öffentlich ausgestellt.

Neben diesem bahnbrechenden Werk in Picassos Schaffen wird die Ausstellung die große Bandbreite an Stilen und Techniken dokumentieren, die Picasso im Laufe seines Lebens verwendete, indem sie wichtige Gemälde in Öl auf Leinwand oder als Fresko ebenso wie Papierarbeiten in Tusche und Gouache zeigt.

Pablo Picasso, Main de l’artiste

Roberto Matta:  Les Témoins de l’Univers  

Eröffnung 9. Juni 2022
10. Juni – 31. August 2022
Galerie Gmurzynska | Talstraße 37 | 8001 Zürich

Die Galerie Gmurzynska freut sich, ab dem 10. Juni 2022 in Zürich eine Auswahl von Meisterwerken Roberto Mattas (Santiago de Chile, 1911 – Civitavecchia, 2002), einer weltweit führenden Figur des Surrealismus, zu präsentieren. Die zehn Gemälde, die in der Ausstellung gezeigt werden, stammen aus den Jahren 1947 bis 1969: einem Höhepunkt im Schaffen des Künstlers, der großen Einfluss auf die Nachkriegsbewegungen in New York und Paris hatte.

Für Roberto Matta besteht die Aufgabe des Künstlers darin, das Unsichtbare sichtbar zu machen und das Unergründliche zu zeigen. Der Künstler erfindet in seiner Malerei eine neue Perspektive, zaubert belebte Formen wie aus einer anderen Galaxie hervor, lässt Farben zerfliessen und lässt den Pinsel über die Leinwand gleiten. Die Ausdrucksbreite Mattas visueller Halluzinationen scheint grenzenlos zu sein. André Breton hat oft gesagt, dass Matta an der vordersten Front der künstlerischen Avantgarde des Surrealismus steht.

In dieser Auswahl seltener und monumentaler Gemälde kann man sehen, wie es Matta gelingt, das Rohmaterial seiner Emotionen und Visionen auf kreativste Weise auszudrücken. Der Künstler erschafft eine extra-reale Welt, die die Grenzen der Vorstellungskraft verschiebt, um die Welt durch die Wände des Bewusstseins zu sehen. Mattas Werke zeigen eine imaginäre Welt in Bewegung: Zeichnungen, die wie ein Storyboard oder ein Science-Fiction-Comic-Panel aufgebaut sind. Seine Werke lassen uns in eine Art vierte Dimension eintauchen, wie zum Beispiel das monumentale Triptychon La nature unie (1965), das den Betrachter in eine Umgebung einhüllt, wie 1973 in Amiens in einer bahnbrechenden und die Schwerkraft überwindenden Installation demonstriert wurde. Seine Erweiterung der Wahrnehmungsdimensionen wurde von William Rubin, dem entscheidenden Kurator des Museum of Modern Art, auf den Punkt gebracht, der schrieb: “Matta ist der einzige Maler nach Duchamp, der völlig neue Möglichkeiten im illusionistischen Raum erforscht.”

Roberto Matta, Instinct Caliban

Roberto Matta war nicht nur ein bedeutender Avantgarde-Maler, sondern auch Vorläufer der Visionäre der Zukunft und beeinflusste zahlreiche andere moderne Meister. Seine monumentalen und abstrakten Gemälde, die ebenso oft mit Bürsten und Lappen wie mit Pinseln gemalt wurden, waren ein Vorläufer der aufkommenden abstrakten expressionistischen Bewegung. Das von Matta mitentwickelte automatische Malverfahren beeinflusste zweifellos den impulsiven malerischen Gestus der amerikanischen Maler jener Zeit. In New York vermittelte er diese Techniken an Persönlichkeiten wie Robert Motherwell und Jackson Pollock, der Roberto Matta seine surrealistische Erziehung, seine Hang auf monumentalen Leinwänden zu malen, und seine Bekanntschaft mit seiner Mäzenin Peggy Guggenheim verdankt. Sein grundlegender Einfluss auf die New Yorker Schule lässt sich in der Aussage Motherwells zusammenfassen, dass Matta “der energischste, poetischste, charmanteste und brillanteste junge Künstler war, den ich je getroffen habe”, und wird von vielen anderen wiederholt.

Die Ausstellung von Roberto Matta in der Galerie Gmurzynska findet zu einer Zeit statt, in der der Surrealismus in der internationalen Kunstszene ein starkes Revival erlebt. Die aktuelle Biennale von Venedig stellt Gemälde von Surrealistinnen in den Mittelpunkt; das Guggenheim Museum präsentiert eine Ausstellung Surrealism and Magic: Enchanted Modernity, in der Matta neben Tanguy und Ernst zu sehen ist; die Ausstellung Surrealism Beyond Borders in der Tate Modern stellt außereuropäische surrealistische Künstler vor… Das Erbe des Surrealismus, das die heutige Kunstwelt durchdringt, ist in den Werken vieler aufstrebender Künstler spürbar. Mehr denn je sollten wir uns mit einem Mitbegründer dieser Kunstrichtung wie Roberto Matta näher befassen.

Der umfangreiche Katalog zur Ausstellung enthält neue Essays von Dr. Jérôme Neutres (ehemaliger Direktor der Réunion des Musées nationaux-Grand Palais, Paris), Prof. Dr. Fabrice Flahutez (Université de Lyon), Prof. Elizabeth Goizueta (Boston College), Prof. Dr. Robert Mattison (Lafayette College), Dr. Daniel Rapoport (Fraunhofer EMB) und Prof. Dr. med. Jan A. Fischer.

www.gmurzynska.com

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