Jüdische Filmtage in München: Vorführung der Doku „The Invisible Line – Die Geschichte der Welle”
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Jüdische Filmtage in München: Vorführung der Doku „The Invisible Line – Die Geschichte der Welle”

16. Januar 2020
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Photo: Marc Müller/Getty Images für Crime + Investigation Germany

Vorführung im Jüdischen Gemeindezentrum in München am 15. Januar 2020

Screening der TV-Doku mit Esther Sedlaczek und Co.: „Die Welle“ eröffnet die 11. Jüdischen Filmtage in München

Spannender Start der 11. Jüdischen Filmtage in München. Zum Opening des Filmfestivals (bis zum 15. Februar 2020) tauchten die Gäste in die Geschichte der Welle ein. Als Auftaktveranstaltung erwartete die Gäste im Jüdischen Gemeindezentrum die Vorführung der Doku „The Invisible Line – Die Geschichte der Welle“. Die neue TV-Doku des Senders „Crime + Investigation“ beleuchtet die wahre Geschichte und die Hintergründe des „The Third Wave“-Sozialexperiments von 1967. Ein Experiment, das heute so gut wie jeder kennt, denn es bot den Stoff für Morton Rhues weltberühmten Roman „Die Welle“, der bis heute Pflichtlektüre an Schulen auf der ganzen Welt ist. Mit dabei bei der Vorführung waren neben Gastgeber Emanuel Rotstein, dem Regisseur, Autor und Produzenten, auch Moderatorin Esther Sedlaczek, die die Veranstaltung moderierte, und Anton Biebl, der Kulturreferent der Landeshauptstadt München.

Worum geht es in der Doku? Ausgangspunkt von „The Third Wave“ war die Frage eines Schülers einer Geschichtsklasse, warum die Deutschen sich nicht gegen das Hitler-Regime gewehrt und den Holocaust verhindert hätten. Im Mittelpunkt steht der Initiator des schnell total außer Kontrolle geratenen Experiments, der frühere Lehrer Ron Jones, und eine Reihe seiner ehemaligen Schüler. Jones wollte diesen eine Lektion erteilen und demonstrieren, wie schnell totalitäres Gedankengut und Faschismus in einer Gesellschaft Fuß fassen können. Der Versuch entwickelte schnell ein Eigenleben, das Jones nicht mehr kontrollieren konnte. Alles begann damit, dass er den Schülern strenge Verhaltensregeln auferlegte… Er hätte dieses Experiment niemals durchführen dürfen und hätte seine Klasse in unglaubliche Gefahr gebracht, sagt Ron Jones in der Doku. Er überschritt die unsichtbare Linie und genoss seine Macht: „Genau wie Stalin, Hitler oder Trump heute.“

Ein brandaktuelles Thema also, wie Emanuel Rotstein beim anschließenden Talk erläuterte: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit „The Invisible Line – Die Geschichte der Welle“ bei den Jüdischen Filmtagen vertreten sind. Wenn wir uns den Anschlag von Halle ansehen, müssen wir leider feststellen, dass das Thema nichts an Aktualität verloren hat“, so Rotstein (ist gleichzeitig als Programmchef für die inhaltliche Ausrichtung von Crime + Investigation und dem Schwestersender „History“ verantwortlich). „Halle zeigt, wie weit die Täter für ihr krudes und menschenverachtendes Weltbild bereit sind zu gehen. Der Faschismus ist heute als globales Phänomen zu verstehen. Warum suchen Menschen nach Halt in totalitären Strukturen? Genau hier greift unsere Doku an und führt auf, warum und vor allem wie schnell sich Menschen manipulieren lassen. Ron Jones‘ Experiment hält uns den Spiegel vor und zeigt, wie leicht wir alle verführbar sind.“

Gedreht wurde an Originalschauplätzen wie der ehemaligen Cubberley High School in Palo Alto sowie in San Francisco, Los Angeles und New York. Gezeigt wird der neue 45-minütige Dokumentarfilm am 19. Januar 2020 um 21 Uhr auf „Crime + Investigation“.

„Die Doku spricht ein gesellschaftlich wichtiges Thema an“, brachte es Kathrin Palesch, die Geschäftsführerin von A+E Networks Germany, auf den Punkt. „Es ist hochaktuell, daher kommt unsere Produktion zum richtigen Zeitpunkt.“

Text: Andrea Vodermayr

Fotos Copyright: Marc Müller/Getty Images für Crime + Investigation Germany

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