Europas bekanntester Motivationstrainer Jürgen Höller bringt seine Autobiografie heraus
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Europas bekanntester Motivationstrainer Jürgen Höller bringt seine Autobiografie heraus

8. Januar 2026
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Fotos: Jürgen Höller

Interview mit Jürgen Höller: „Viele Menschen geben einfach zu früh auf“

Von ganz unten nach oben. In seiner Autobiografie „Unzerstörbar – Die Kunst, niemals aufzugeben“, die am 13. Januar 2026 erscheint, erzählt Motivationscoach Jürgen Höller (62) seine persönliche Geschichte. Eine Geschichte geprägt von Höhen und Tiefen: Mit sieben Jahren hatte er das Ziel, Millionär zu werden. Mit 19 gründete er sein erstes Unternehmen, war dann aber mit 21 Jahren fast pleite. Mit 35 war er der erste Mentaltrainer in der Bundesliga, mit 37 Jahren besaß er ein Vermögen von 550 Millionen. Mit 38 wollte er an die Börse, was der Beginn eines verhängnisvollen Fehlers war. Mit 39 Jahren saß er plötzlich im Knast. Doch mit 40 Jahren war er wieder frei und startete neu durch…. Heute gibt er erfolgreich Seminare und füllt mit seinen „Power-Days“ selbst die Münchner Olympiahalle –  im Vorjahr waren Uli Hoeneß und Dieter Bohlen als Redner dabei. Im Interview spricht er über sein neues Buch und erklärt zudem, wie man durch die aktuellen Krisen kommt und wie man KI für sich nutzen kann.

Fotos: Jürgen Höller

Wie kam es zur Autobiografie „Unzerstörbar“?
JH: „Ich hatte das Gefühl, es wäre an der Zeit. Über 40 Jahre Selbstständigkeit und mein 60. Geburtstag liegen hinter mir. Die 60 war für mich eine Zäsur und gleichzeitig auch ein Anlass, sich Gedanken zu machen. Wo komme ich her, wie geht‘s weiter? Deswegen war jetzt der richtige Zeitpunkt.“

Was erfährt der Leser über Jürgen Höller?
JH: „Alles! Ich habe da meine komplette Lebensgeschichte hineingeschrieben. Und mehr als das. Ich wollte nicht nur meine persönliche Story erzählen. Es geht auch darum, was der Leser aus meiner Geschichte lernen kann. Es ist also ein autobiografischer Ratgeber. Ein Buch über Triumphe und Tragödien. Ich habe Fehler gemacht, aber ich habe es eben auch geschafft, laut Financial Times, eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas der letzten zehn Jahre zu gründen und zu führen. Selbst die großen Consultingfirmen haben es nicht in dieses Ranking geschafft. Es geht aber auch um private Themen. Zum Beispiel spreche ich in dem Buch erstmals darüber, dass meine Frau Kerstin und ich uns einmal getrennt haben. Das war vor zwölf Jahren.“

Was war der Grund für die Trennung von Ihrer Frau?
JH: „Wir haben uns auseinandergelebt. Wir haben uns mit der Zeit in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Ich habe mich nach Abenteuer gesehnt und damit angefangen, Motorrad zu fahren. Kerstin hingegen hat damit angefangen, etwas bequem zu werden und hat sich in meinen Augen gehen lassen. Wir sind dann an einem Sonntagmorgen auseinander gegangen. Doch schon 24 Stunden später hatte ich das Gefühl, einen großen Fehler gemacht zu haben. Wir haben uns ausgesprochen und ich habe ihr erzählt, dass ich ihre frühere Art des bunten, fröhlichen Schmetterlings immer so bewundert habe, ebenso wie ihre Neugierde. Und ich gestand ihr, dass ich mir diesen Schmetterling zurückwünschen würde. Am nächsten Tag sind wir zusammen mit dem Motorrad in die Berge gefahren.
Zudem erzähle ich auch einige Erlebnisse aus der Zeit im Gefängnis, über die ich noch nie gesprochen habe. Zum Beispiel, als einer der Insassen, ein rechtsradikaler Muskelmann mit 120 Kilo, im Fitnessstudio plötzlich auf mich losging. Oder wie meine Familie zu dieser Zeit bedroht wurde…

Fotos: Jürgen Höller

Das Buch handelt auch von meiner Kindheit. Ich schreibe zum Beispiel über meinen Minderwertigkeitskomplex, den ich in meiner Kindheit gebildet hatte, da ich früh in dir Schule kam, schon mit fünf Jahren. Körperlich war ich den anderen damals hinterher, da ich kleiner und schmächtiger war. Ich war weder künstlerisch noch handwerklich oder sportlich veranlagt. Ich war immer eher Außenseiter und Einzelgänger. Ich habe daraufhin den Antrieb entwickelt, der mich nach vorne gebracht hat. Dieser Antrieb war aber später gleichzeitig mein größter Fluch, denn ich war nie mit mir zufrieden. Ich dachte immer, ich muss noch besser werden…“

Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
JH: „Auch dazu gibt es eine Anekdote im Buch: Mit sieben Jahren war ich bei einem Kindergeburtstag eingeladen, bei dem auch die Mütter der Kinder mit dabei waren. Bei Kaffee und Kuchen wurde das Geburtstagskind gefragt: ‚Peter, was willst du später werden?‘ Und Peter antwortete: ‚Das Gleiche wie mein Vater‘. Er hat selbstständig Krankenhauszubehör vertrieben. Daraufhin waren alle Mütter begeistert und Peters Mutter war sehr stolz. Dann war da noch Birgit, die Arzthelferin werden wollte. Und dann kam ich an die Reihe. ‚Und der kleine Jürgen, was will der später werden?‘, fragten die Mütter. Ich sagte: ‚Millionär.‘ Und alle Mütter gucken meine Mutter fragend an. Sie lief rot an und sagte: „Jetzt sag‘ aber mal, was du wirklich werden möchtest.“ Und ich merkte, Millionär ist keine gute Idee und meinte: ‚Astronaut‘. Und die Mütter lachten wieder und dann sagte ich einen normalen Job, Polizist. Und alle waren zufrieden. Aber insgeheim dachte ich mir, euch zeige ich es mal, denn ich werde später genau das: Millionär!“

Sie haben immer auch Kritiker gehabt und hatten mit Widerständen zu kämpfen. Wie schafften Sie es immer wieder nach oben?
JH: „Ich war mit 21 Jahren schon mal fast pleite gewesen. Ich habe damals angefangen, Bücher zu lesen und selbst Seminare zu besuchen. Dort habe ich nach und nach meine Mentoren kennen gelernt. Letztendlich gilt: Auch wenn man Fehler macht – das vorher angehäufte Wissen ist trotzdem nicht weg. Wenn man dann aus seinen Fehlern, die man neu gemacht hat, lernt, kann man umso schneller und leichter nach oben kommen. Ganz nach dem Sprichwort: Nicht der Wind bestimmt den Kurs, sondern die Segel. Wenn ich aber nicht weiß, wie ich die Segel gegen den Wind setzen muss, dann kann ich noch so viel Disziplin und Willensstärke haben, komme aber trotzdem nicht gegen den Wind an.“

Fotos: Jürgen Höller

Was ist die Message des Buchs?
JH: „Es ist kein Rückblick, auch wenn es eine Biografie ist. Es ist ein Blick nach vorne. Ich habe dieses Buch geschrieben für all diejenigen, die an ihre Ziele glauben und ihre Ideen gegen alle Widerstandskraft durchsetzen. Für Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen und nach einem Niederschlag nicht liegenbleiben. Das habe ich anhand meines eigenen Lebens beschrieben. Denn wer könnte das besser erzählen als jemand, der ganz oben war, dann aber alles verloren hat? Alle haben damals gesagt: ‚Dein Name ist zerstört, du kommst nie wieder auf die Bühne zurück.‘ Daraufhin eine erfolgreiche und schnellwachsende Firma im Bereich Consulting aufzubauen, beweist, dass man selbst aus dem Nichts heraus alles schaffen kann. Interessanterweise ist zeitlich mit dem Buch die Vision mit meiner neuen Firma „Innovita“ entstanden: Eine KI-gestützte Premium-Plattform mit dem Ziel der persönlichen und persönlichen Freiheit. Ein komplett neues Konzept, das es weltweit noch nicht gibt.“

Die KI macht auch vielen Menschen Angst. Was meinen Sie: Müssen die Leute um ihre Jobs fürchten?
JH: „Alle müssen Angst haben. Denn in den kommenden acht bis zehn Jahren werden 60 bis 80 Prozent aller Arbeitsplätze in ihrer bisherigen Form nicht mehr existieren. Deswegen habe ich auch diese neue Firma gegründet: Nicht für mich, denn ich habe alles erreicht und bin finanziell frei. Ich mache es, um meine Community durch diese Disruption durchzuführen – die größte Disruption bisher in der Geschichte der Menschheit, da es noch nie so schnell ging. Wer da als Individuum durchkommen will, muss jetzt die Weichen stellen und jetzt das Wissen aufbauen. Sonst ist er möglicherweise weg vom Fenster, egal ob als Angestellter oder Selbstständiger.“

Wie kommt man durch die derzeitige Krise? Haben Sie einen Tipp?
JH: „Das Mindset in Deutschland ist leider ein einziges Gejammere. Das Vertrauen fehlt und viele sind entsetzt von den äußeren Umständen. Die äußeren Umstände können wir aber nicht ändern. Aber ich kann immer meine eigene Einstellung verändern und ich kann auch immer, wenn es von außen schwierig wird, meine eigene Konjunktur machen. Das heißt, ich bin immer selbst verantwortlich dafür, wie ich mit den äußeren Umständen umgehe. Man muss, gerade auch jetzt mit KI, wissen, was die persönlichen Fähigkeiten sind, die eben nicht von der KI ersetzt werden können. Einfach ausgedrückt: Wenn ich Taxifahrer bin, dann ist klar, dass dieser Job irgendwann von Robotern ersetzt werden wird. Ich kann also jammern oder ich kann überlegen, welcher Job auch in zehn Jahren noch existieren wird. Früher hat man gesagt: man muss lernen. Jetzt heißt es: entlernen. Und sich bewusst machen, welches die Tools sind, mit denen wir in Zukunft noch erfolgreich werden können.“

Wenn Sie zurückschauen – was würden Sie heute anders machen?
JH: „Alle Fehler, die ich gemacht habe, haben dazu geführt, dass ich heute derjenige bin, der ich bin. Allerdings würde ich alle Fehler, die anderen Menschen weh getan oder ihnen geschadet haben, heute gerne vermeiden, wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte.“

Fotos: Jürgen Höller

Was war für Sie das Schmerzlichste beim Fall?
JH: „Als ich inhaftiert war, waren nicht nur alle Mitarbeiter weg, sondern auch alle Freunde. Es gab damals nur einen einzigen Prominenten, der weiterhin zu uns gestanden ist, und das war Udo Jürgens. ‚Never give up‘ ist ein Song, den meine Frau heute immer bei den Power-Days singt – ein Song aus der Feder von Udo Jürgens. Es hat damals alles sehr wehgetan. Aber ich habe es angenommen. Und ich denke, ich wäre nie so erfolgreich geworden mit meiner zweiten Karriere, wenn ich den Tiefpunkt nicht mitgemacht hätte. Ich musste doppelt Gas geben, als wir 2004 mit 6,6 Mio. Schulden da saßen. Wir hatten nicht mal das Geld, um einen Kopierer zu kaufen, und mussten jedes Mal sieben Kilometer zum Kopieren nach Schweinfurt fahren. 49 Kundenadressen haben damals gesagt: ‚Lasst uns in Ruhe, der Jürgen ist ja pleite‘. Erst der 50. sagte: ‚Ach, der Jürgen ist wieder da? Eventuell kann ich ja aus seiner Story etwas lernen.‘ Es geht beim Erfolg eben auch ums Durchhalten. Wenn 49 nein sagten, dann rufe ich den 50. an. Viele Menschen geben einfach zu früh auf.“

Sie sind Vater von zwei Söhnen, Ihr Sohn Alexander ist ein sehr erfolgreicher Künstler und Maximilian hat sich einen Namen als Musiker gemacht. Wie haben Sie die beiden motiviert?
JH: „Ich war in der Schule ein Faulpelz, habe nie Hausaufgaben gemacht und kam mit Ach und Krach durch die Mittlere Reife. Beide meiner Kinder haben ihr Gymnasium nach der elften Klasse geschmissen. Und wie Eltern eben sind, habe ich zu beiden gesagt: ‚Macht die Schule zu Ende, ihr braucht das Abitur‘. Aber sie sagten beide, sie hätten keinen Bock mehr auf Schule. Und von beiden kam auch die Antwort: ‚Du hast auch kein Abitur, hast es aber auch geschafft.‘ Was sollte ich da noch sagen? Ich habe sie im Großen und Ganzen immer das machen lassen, was sie wollten. Ich habe nie gesagt: ‚Ihr müsst in die Firma einsteigen‘. Und auch nie: ‚Male besser nicht, damit verdienst du kein Geld.‘ Ich habe immer die Einstellung gehabt: Macht das, was ihr wollt, aber macht es richtig- Dann werdet ihr auch erfolgreich sein. Ich habe ihnen aber auch immer vorgelebt, dass man für den Erfolg arbeiten muss und etwas dafür tun muss.“

Gibt es noch ein Ziel?
JH: „Ich möchte bis zu meinem 100. Geburtstag 1000 Schulen in Afrika gebaut haben. Die 50. haben wir gerade finanziert und sie ist schon im Bau.“

Interview: Andrea Vodermayr

Fotos: Jürgen Höller

Michaela Etzel
Michaela Etzel https://www.jetset-media.de

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